Mittwoch, 19. Februar 2014

An die 2, die mich zu verantworten haben :)

Heute werde ich 30.

Während der letzten 30 Jahre war eine Person immer und bedingungslos für mich da. Und weil ich weiß, dass Du das liest, Papa, möchte ich Dir für alles danken, dass Du für mich getan hast. Du hast mir beigebracht zu Schwimmen, einen Köpper vom 3er zu machen, stundenlang mit mir gespielt, mir auf dem Weg zum Kindergarten die Relativitätstheorie kindgerecht erklärt und Weihnachtsbäume gezählt, jedes Kuscheltier zum Sprechen gebracht, mit mir Lego gebaut, mich auf jeden Baum klettern lassen, mich mit 16 in die USA gehen lassen, mich Pinky adoptieren lassen, stundenlang mit mir meine Matheaufgaben in der Uni gelöst, damit ich die Klausur bestehe, mich immer unterstützt und Du bist extra nach Zürich geflogen um mich beim Tanzen zu sehen. :)

Du hast mir gesagt, dass ich kämpfen soll, mich drauf vorbereitet, dass man immer wieder Arschlöcher im Leben trifft, die einem schaden wollen oder neidisch sind, mir beigebracht, dass man immer tolerant und vorurteilsfrei sein muss, dass ich nicht alleine die Welt retten kann oder muss und die Leistungen von anderen anzuerkennen und jedem seinen Erfolg zu gönnen.

Du hast mir gezeigt, dass es okay ist für seine Überzeugung einzustehen, dass man nicht angepasst sein muss, sondern sich selbst treu, dass ich stark sein kann, wenn ich es muss, egal wie schlimm die Lage ist, dass ich alles überlebe, dass man sich nie aufgeben soll und dass meine Unabhängigkeit gut ist.

Du hast mich immer meinen Weg gehen lassen und mich nie hinterfragt, aber immer herausgefordert. Und auch wenn du mich manchmal in den Wahnsinn treibst mit deinen Aktionen, hab ich dich unendlich lieb und will dich gegen keinen anderen Vater und kein anderes Walross auf der Welt tauschen. Wir zwei haben das alles wirklich super hinbekommen die letzten Jahre und ich bin dir dankbar, dass ich durch dich die Person geworden bin, die ich heute bin.

Du warst und bist mein Vorbild und wirst es immer bleiben.
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Falls Du mich sehen kannst, Mama, ich hoffe, dass Du stolz auf mich bist. Auch wenn Du's nicht liest, aber trotzdem Danke für deine Liebe, deine Geduld, deinen Rat und dein Verständnis für mich während meiner ersten 6730 Tage. Die letzten 4820 hab ich jeden Tag an dich gedacht. Ich wünschte, Du wärst dabei gewesen. Bleibt nur zu sagen: "...ich verspreche Dir, wir haben irgendwann wieder jede Menge Zeit..." DTH - Nur zu Besuch

Dienstag, 18. Februar 2014

Alter schützt vor Irrationalität nicht

Bald werd ich 30 und während die Jüngeren jetzt denken "Scheiße ist das alt", denken die Ü30 jährigen "süß, das waren noch Zeiten". Ich selbst seh dem Tag mit Schrecken entgegen. Warum? Okay, hier jetzt mal die lange, irrationale, zwar so gemeinte, aber mit einem Augenzwinkern zu lesende Liste der Gründe, warum 30 werden schrecklich ist.

1. An meinem 4. Geburtstag wachte ich morgens auf und stellte mich vor den Spiegel in der Erwartung über Nacht extrem gewachsen zu sein, weil ich ja  schon ein "großes Mädchen" sei. Gut, ist nicht passiert, aber morgen werde ich vorm Spiegel stehen und Falten suchen und finden. Klar sind die jetzt schon da, aber ich wette, dass sie über nacht tiefer werden und mehr. Die Werbung für Anti-Falten Cremes sagt das ja auch. Von Cellulite will ich gar nicht anfangen.

2. Morgen steigt mein Krebsrisiko schlagartig an. Mit 29 alles supi, mit 30 auf einmal ein paar Vorsorgeuntersuchungen mehr. Über Nacht. Sagen zumindest die Mediziner.

3. Die Gesellschaft erwartet von mir in den nächsten 10 Jahren zu heiraten und zu reproduzieren. Wobei dafür die beste Zeit schon 10 Jahre zurückliegt, außerdem mit meinem persönlichen jetzt mit 30 erhöhten Risiko für Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und sonstigen körperlichen Gebrechen ist es doch recht verantwortungslos ein Kind in die Welt zu setzen. Eins hätt ich aber schon gern. Ein Mädchen, bitte, irgendwann, wenn ich erwachsen bin.

4. Um meine aktuelle Fitness beizubehalten muss ich jetzt mehr tun als vorher. Bei 8 bis 10 Stunden Sport in der Woche wird das schwierig, außer ich kündige meinen Job. Ich bau mit 30 und jedem weiteren Jahr schneller Muskeln ab und Fett auf. Sagen Sportmediziner. Bisher konnt ich immer alles essen was ich wollte ohne großen Effekt. Was wenn das nicht mehr geht. Meine Selbstbeherrschung ist leider nicht auf dem Niveau einer 30jährigen. Gleiches gilt übrigens fürs Erlernen neuer Fähigkeiten und ich kann immernoch nicht Snowboarden, Skateboarden, Spanisch sprechen, Grammatik (vor allem Zeichensetzung...), wirklich gut Tanzen (und das stresst mich am allermeisten). Was Hänschen nicht lernt... Dabei will ich doch noch besser werden im Tanzen (Scheiß auf Grammatik)!

5. Ich bin 30 und hab noch nichts im Leben erreicht. Noch keine Goldmedaille bei Olympia gewonnen (und wenn kann ich das nur noch im Schießen, Dressurreiten oder Curling), nicht Mark Zuckerberg-mäßig ein Unternehmen gegründet und die erste Millionen (oder Milliarde) gemacht, keinen Nobelpreis gewonnen, den Friedensnobelpreis zähl ich nicht, weil den muss ich ja teilen (wobei da kann ich auch uralt für sein - das ist noch nicht over), die Welt noch nicht vor sich selbst retten können, kein Leben gerettet, kein bedeutendes Statement gemacht und noch nicht mal eine Liste erstellt mit Dingen, die ich vor 30 erledigen will... Und wenn man Wirtschaftsmagazine liest, dann sind es die High Potentials unter 30, die dann zu was werden. Ich bin immer noch Junior Staff und hab nix zu melden, kann aber super Kaffee und Tee für die Kollegen holen. Mir ist klar, dass ich an dem Punkt selber Schuld bin, immerhin bin ich an meinen eigenen Anforderungen (Gold bei Olympia, Nobelpreis und die erste Milliarde) gescheitert.

6. Wie lang bin ich eigentlich noch "cool"? Nicht, dass ich cool bin, aber ich tue Sachen, die andere 30 jährige nicht tun. HipHop tanzen zum Beispiel. Wann kann ich das nicht mehr als Lieblingshobby anführen, weil mein Gegenüber denkt, dass ich zu alt dafür bin. Und was sag ich dann? Ich tanze? Zumba gegens Fett?!

7. Wann setzt die Altersparanoia und Intoleranz ein? Wann sag ich: Das mit der neuen Technik (iPhone) verwirrt mich? Wann hör ich auf facebook und whatsapp zu nutzen, weil ich Angst hab, dass die NSA sich für meine Treffen mit meinen Freunden oder Fotos von meiner Katze interessiert (da kenn ich Leute Ü30, die das denken)? Und wann fängt man an so Sachen zu sagen wie: die jungen Leute kleiden sich so komisch? Oder sowas in der Art.

8. Zwei meiner besten Freundinnen in der Schweiz sind 18 und 23. Als ich so alt war, waren 30 jährige für mich schon scheintot. Ich kannte gar keine 30jährigen. Erkennen die vielleicht bald auch, dass ich absolut zu alt bin oder mich langsam mal wie ne 30 jährige benehmen sollte (und was heißt das genau)?
Meine beiden besten Freundinnen aus der Uni sind so alt wie ich. Eine wird bald heiraten. Hat sie dann vielleicht keine Lust mehr auf ihre unverheirateten Mädels mit Jungsdramen?

9. Wenn ich jetzt irgendwas schaffe, was dann in der Bild steht (Lottogewinn, Nobelpreis (Wirtschaft, Frieden oder Literatur - für den Blog) gewinnen, Gold bei Olympia im Dressurreiten), dann steht da nicht mehr junge Frau (30), sondern nur noch Frau (30).

10. Ich hab ein bisschen Sorge, dass ich wie Carrie Bradshaw aus Sex and the City werde oder das ich anfang Liebesromane zu lesen, Schlagermusik zu hören, jedes Jahr Urlaub am selben Ort mach, auf Ü30 Parties geh. Oder - anders Extrem - denke, dass ich ewig jung sein kann. Wer hat nicht die ein oder andere Bekannte, die langsam auf die 40 zu geht, aber Typen datet, die Mitte 20 sind und sich selbst noch wie ne 20jährige aufführt? Megapeinlich.

Wenn ich länger drüber nachdenke, dann fallen mir bestimmt noch ein paar Sachen ein, die mich am 30 werden stressen. Das Paradoxe ist, dass ich nicht mehr 20 sein will. Ich weiss sehr viel mehr, was ich kann (und was nicht) und wer ich bin und was für mich funktioniert und was nicht. Ich kenn meine Stärken und meine Schwächen und verschwende meine Zeit nicht mehr mit Leuten, die es nicht gut mit mir meinen. Das alles hab ich in meinen 20ern gelernt - meistens auf die harte Tour - und darüber bin ich froh, aber alt werden nimmt die Leichtigkeit und Naivität und Offenheit. Ich bin auch sehr viel skeptischer, konsequenter und immer noch kein Stück gelassener, weil ich weiß, dass es Menschen gibt, die einen gerne scheitern sehen wollen (Neid und Mißgunst sine echt große Probleme). 
Vielleicht ist der Film "Der kuriose Fall des Benjamin Button" doch das Idealmodell. Man kommt alt und gebrechlich zur Welt und man wird körperlich immer jünger, hat aber auch mehr Erfahrung um seine Energie gezielt zu verwenden.

Ich akzeptiere die große, angsteinflössende 3, werde rückblickend feststellen, dass es gar nicht so schlimm war und nicht weh getan hat, genieß noch die letzten 24 Stunden als 29jährige und schließe mit folgenden Worten: 
"Die Jugend wäre eine schönere Zeit, wenn sie erst später im Leben käme". - Charlie Chaplin

Montag, 17. Februar 2014

NBA All-Star Game

Wie jedes Jahr, war auch letzte Nacht wieder das NBA All-Star Spiel zwischen Ost- und West. Um gar nicht erst montägliche Aufregung aufkommen zu lassen, nehm ich schon mal vorweg, dass der Osten gewonnen hat mit 163 zu 155. Ich freu mich, denn durch LeBron und Dwyane, die beide für Miami spielen, war ich für den Osten. Eigentlich war ich immer eher für die Ostküste, denn ich mochte die Lakers noch nie so wahnsinnig gerne.

Seit 1951 wird das All-Star Game ausgetragen. Die Eastern Conference gewann 37 zu 26 Spiele. Das Starting Lineup beider Teams wird von den Fans bestimmt. Weitere sieben Spieler werden von den Coaches der NBA nominiert. Coachen dürfen immer die beiden Trainer, deren Teams zwei Wochen vor dem All-Star Game in der jeweiligen Conference vorne sind. Allerdings soll kein Trainer zweimal hintereinander das All-Star Spiel coachen. Diese Regelung wird Riley Rule genannt, weil die Lakers in den 80ern unter Pat Riley so erfolgreich waren, dass er acht Mal hintereinander gecoacht hätte.

Die Idee zu einem All-Star Game kam um von einem Wett-Skandal in der College Liga abzulenken und mehr positive Aufmerksamkeit für die NBA zu bringen.

In 1999 fand kein All-Star Game statt, weil es einen Spieler Lockout gab. Grund waren damals, wie so oft, Spielergehälter. Viele Clubs machten in dieser Zeit Verluste, weil sie eigene Spieler zu sehr hohen Summen neu verpflichteten. Erst im Januar 1999 wurde der Lockout aufgehoben.

Ich such noch nach einer Zusammenfassung online, weil ich einfach zu ko war um um 2 Uhr morgens aufzustehen. Bereue ich jetzt schon, aber es ging einfach nichts. Für Tipps bin ich also dankbar. :)

Freitag, 14. Februar 2014

Bullshit Bingo

Gerade hatten wir eine lustige Veranstaltung in der die Jahresergebnisse unseres Unternehmens vorgestellt worden. Als ich noch in Deutschland gearbeitet hab, waren diese Veranstaltungen immer ein freudiges Ereignis um wieder eine Runde Bullshit Bingo zu spielen.

Vorstandsvorsitzende und andere wichtige Menschen haben ja manchmal die Tendenz eine Frage zu beantworten ohne wirklich eine Antwort zu liefern. Dabei benutzen sie gerne Wörter, die nach viel klingen, aber in Wirklichkeit nichts aussagen.

Für bedeutungslose Mitarbeiter die perfekte Gelegenheit Bullshit Bingo zuspielen. Gespielt wird es wie normales Bingo. Man könnte daraus auch ein Trinkspiel machen, aber das ist auf der Arbeit eher unangebracht. Im Internet kann man Karten runterladen mit verschiedenen Vorgaben von Wörtern, die häufig gesagt werden. Das geht über Mitarbeiterveranstaltungen hinaus und funktioniert für so ziemlich alles: Filme, Politikerreden, Sport und den Arbeitsalltag.

WennEuch also mal langweilig ist, überlegt euch welche Worte ihr erwartet, mach Bingokarten drauss, spielt unauffällig bei der Veranstaltung und der Gewinner muss an der nächsten Konferenz nicht teilnehmen oder so.

Viel Spass und ein schönes Wochenende

Donnerstag, 13. Februar 2014

Der Chill-Faktor

Wenn ich aus dem Haus gehe ist eine Sache immer dabei. Mein iPhone. Zum einen weil man die Zeit in Bus und Bahn am Besten mit facebook und News überbrücken kann, aber fast noch wichtiger ist die Musik. Als ich vor fast 20 Jahren von der Grundschule aufs Gymnasium gewechselt bin, war mein Walkman immer morgens und nachmittags im Bus mit dabei. Selbst wenn Freundinnen mit im Bus sassen, haben wir entweder zusammen oder jeder für sich Walkman gehört. Aufgenommen wurde die Musik entweder im Radio oder kopiert von der Bravo Hits. Mit 12 und somit zu Beginn der Pubertät kamen dann die Backstreet Boys ganz groß raus und ich war ca. zwei Jahre lang recht großer Fan. Gleichzeitig fand ich die Spice Girls ganz toll. Girl Power und so...

Musikalisch also zugegebenermaßen nicht das absolut höchste Niveau, aber dafür konnte ich mich mit den Spice Girls identifizieren und Nick Carter war damals ganz toll, aber viel zu alt. Er war ja schon 16. Mit zunehmenden Alter wurde dann auch mein Musikgeschmack anders. Ich ging damals viel in einen Jugendclub in der Nachbarschaft und dort lief vor allem HipHop und Rap, aber auch immer noch viel Pop (es kam drauf an, wer gerade für die Musik zuständig war). Die ganze Technobewegung ist mehr oder weniger an mir vorbei gegangen. Bis auf Blümchens Anfänge und gezwungenermaßen Scooter auf irgendwelchen Parties, vermeide ich bis heute zu viele Beats. House verursacht bei mir Stress und Kopfschmerzen.

Erklärbar ist das unter anderem so: Songs deren Lyrics ich verstehe und mich mit ihnen zumindest teilweise identifizieren kann oder die sehr gut sind, sind für mich enorm wichtig. Klar muss der Song an sich gut sein. Das ist ein Grund warum für mich die meisten nicht-englischen oder nicht-deutschen Songs auch nicht funktionieren. Ja, ich find's auch tragisch, dass meine limitierten Sprachkenntnisse auch meinen Musikgeschmack limitieren. Songtexte merke ich mir extrem schnell, weil ich wie gesagt verstehe was gesungen wird. Viele wundern sich zum Beispiel, das sich Rap höre. Scheinbar seh ich eher so aus wie ein Britney Spears Fan oder so. Tatsächlich sind in Raps die coolsten Lyrics versteckt mit teilweise sehr intelligenten Wortspielen.

Musik fungiert für mich auch als Stimmungsaufheller. Wenn ich mal so richtig Scheiße drauf bin, dann hilft es meistens meine aktuelle Lieblingsmusik aufzudrehen und einfach total schief mitzusingen und wie eine komplett Irre durch die Wohnung zu tanzen. Das geht aber auch anders rum, wenn ich mal einfach traurig sein will, dann höre ich die entsprechende Musik. Am Wirksamsten sind übrigens Songs, die man aus der Kindheit und Jugend kennt. Genannt wird dieser emotionale Effekt, den Musik auf das Limbische System in Gehirn hat, Chill-Effekt.

Ich chill dann mal ne Runde :-)


Mittwoch, 12. Februar 2014

Sportmythen - Schwitzen

Unser kleines Team ist ein sportliches. Nicole geht Walken, Joggen, Ski fahren und Squashen. Silvan geht ins Fitnessstudio und Ski fahren und ich versuch mich im Tanzen, beim Krafttraining und bei Squash.

Im Sport gibt es ja nun eine ganze Reihe von Mythen. Eine davon ist, dass Sportler weniger Schwitzen. Das stimmt nicht. Trainierte Menschen empfinden Belastungen weniger stark als Untrainierte, auch die Temperaturregulierung funktioniert besser. Auch das ist eine Frage des Trainings. Schwitzen muss der Körper erstmal lernen um bei sportlichen Belastungen richtig zu kühlen. Je höher die Wärme im Körper ist, desto weniger Leistung kann der Körper bringen. Es ist also wichtig, dass der Wärmeausgleich funktioniert.

Beim Sport selbst Schwitzen Sportler aber deutlich mehr. Während Untrainierte nur ca. 0.8 Liter Schweiß pro Stunde produzieren können, produzieren Trainierte bis zu 3 Liter. Der Anstieg der Körpertemperatur wird so verzögert, tritt irgendwann aber auch ein.

Je besser jemand trainiert ist, desto weniger Elektrolyte verliert er übrigens über den Schweiß.

Dienstag, 11. Februar 2014

Die Volksabstimmung

Gerade (Montag nachmittag) sitze ich am Flughafen und flieg gleich zurück nach Zürich. Ich war das Wochenende über in Düsseldorf und gerade noch auf dem 90. Geburtstag der Tante meines Vaters. Sie hatte mich ewig nicht gesehen und wollte nochmal sehen wie ich ausseh oder so. Keine Ahnung.

Auf jeden Fall warte ich aufs Boarding und es kommt ein kleinwenig das Gefühl des Unerwünschtseins auf. Ich mag die Schweiz. Ich komm gut mit meiner Schweizer Kollegen klar, hab privat Schweizer Freunde und fühle mich nicht wirklich fremd. Im Alltag fällt es mir eigentlich nur auf, wenn Freunde mit mir auf einmal Hochdeutsch sprechen und entweder sie selbst oder andere das merken und dann feststellen und ins Schweizer Deutsch wechseln. 

Nun gab es am Wochenende diese Abstimmung nach der die Zuwanderung in die Schweiz neugeregelt und begrenzt werden muss und während ich die Hintergründe rational verstehen kann, ist das Gefühl auf einmal doch anders. Für mich persönlich fühlt es sich so an als würde ein Teil der Schweizer Bevölkerung mich nicht im Land haben wollen aufgrund meiner Herkunft. Die Wahl richtete sich vor allem gegen Deutsche und Italiener, sagen die Medien. Ein interessantes und neues Gefühl für mich, aber auch sehr verletzend. 

Ich kenn genug Deutsche, die null mit Schweizern abhängen. Sie haben Deutsche oder sonstige Expat Freunde und versuchen noch nicht mal in der Schweiz Anschluß zu finden, weil die "Schweizer da schwierig und verschlossen sind". Das liest man immer wieder und da muss ich mal sagen, dass diese Leute sich einfach nur dumm anstellen. Freunde finden ist nicht schwer, wenn man offen ist und auf andere zu geht. Tut man das nicht, dann ist es überall schwer. In Deutschland genauso wie in der Schweiz. 

In der EU gibt's ja ähnliche Ängste. Gerade in wirtschaftlich gesunden Ländern zittern sie vor Einwanderungswellen aus Süd - und Osteuropa. Also, ist die EU auch nicht besser...

Hier ein Überblick:
Schweizer befürchten nach der Abstimmung vor allem Konsequenzen für die Wirtschaft. Sollte die EU im Gegenzug ernst machen, dann wird es Auswirkungen auf den Handel haben, auf die Freizügigkeit von Studenten, die ausserhalb der Schweiz studieren wollen und der Fachkräftemangel, der bisher durch ausländische Arbeitskräfte abgefedert wurde, wird sich verschärfen. Vor allem in Dienstleistungssektoren wie Gastronomie oder Raumpflege dürfte sich die neue Regelung bemerkbar machen, aber auch das Gesundheitssystem ist von Personalmangel bedroht. Ausländer zahlen in der Schweiz Quellensteuer und die ist höher als die Steuer, die Schweizer zahlen.

Für die Neuregelung könnte ein drohender Preisverfall der Arbeitskraft durch billige Arbeitskräfte aus den EU Ländern. Ausserdem gibt es in der Schweiz schon die Angst vor Überfremdung und den Verlust der eigenen Kultur.

So oder so: Die meisten Ausländer, mit denen ich gesprochen habe, sind geschockt von dem Ergebnis und es bleibt das Gefühl nicht wirklich willkommen zu sein bei 20% der Bevölkerung...